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Sex and the Antifa

Oktober 2, 2008

Es geht um Freundschaft, darum, zusammen zu halten und füreinander da zu sein, eigentlich um Solidarität. Schließlich sind sie aufeinander angewiesen, im Überleben auf der Straße, in der Großstadt. Unter den gegebenen Verhältnissen leiden schließlich alle, die dabei sind. Etwas muss sich ändern und das geht nur gemeinsam.

Da muss also eine gemeinsame Basis gefunden werden. Der Style, das Outfit, muss abgestimmt werden. Schließlich wollen sie eine gute Figur machen, wenn sie gemeinsam unterwegs sind, um zu sehen und gesehen zu werden, um das Stadtbild zu bestimmen und den Geist der Zeit zu beeinflussen.

Es wird sich in den angesagten Läden der Szene getroffen und wichtige Themen müssen im Plenum behandelt werden. Irgendjemand kann immer von neuen persönlichen Schwierigkeiten aus der kalten und verwalteten Welt und den sozialen Verhältnissen berichten, die dann ausgiebig mit Anhörung verschiedener Meinungen diskutiert werden. Das ist schließlich Basisdemokratie. Und auch sonst gibt es immer was zu bequatschen, in der Crew: Was ist gerade IN und was OUT? Wo können wir hingehen und wo nicht? Wo steigt DIE Party? Was gibt es Neues? Und vor allem: Wer hat gerade was mit wem laufen???

Um bei einer meiner Heldinnen zu klauen: „When it comes to…“ oben Beschriebenem „…I can’t help but wonder:“ Ist die Antifa nur Sex-and-the-City in etwas anderer Verpackung???

Nun gut, es erscheint als langfristiges Ziel vermeintlich weniger das Finden oder Nicht-Finden des Mannes für’s Leben als vielmehr irgendeine Art Revolution. Von diesen fernen Zielen aber einmal abgesehen, unterscheidet sich das Alltagsleben in der Antifa-Szene doch nur marginal von dem der vier Freundinnen in Manhatten. Zwar scheint es äusserst anmaßend oder betrübend, verrauchte Kneipen und vermüllte AZs mit IN-Clubs in New York und die Antifa-WG mit einem Luxus-Apartement in der Park-Avenue zu vergleichen, aber das ist wohl nur besagte Verpackung, die gerne aufgewertet werden darf.

Bei den Gesprächsthemen sind, wie bereits angedeutet, die Ähnlichkeiten gravierender. Style und was mit ihm ausgedrückt wird, ist keinesfalls zu verachten. Zum nächsten Event lieber das Kleine Schwarze, oder doch lässig in Zivil? Welche Marken und Symbole sind noch angesagt, schon von den Nazis (zurück)geklaut oder einfach nicht tragbar? Lieber oldschool oder popig?

Auch die persönliche Befindlichkeit, die das nicht existente richtige Leben im Falschen auslöst, darf Thema sein. Schließlich sind alle irgendwie eine Familie: Sweet Home Antifa eben… Und die Liebe der Freundinnen zu ihrem New York lässt doch manchmal an den Regionalpatriotismus so mancher Antifa-Gruppe denken.

In etwas anderer Form würden sich natürlich die Antifas auch über die Jobs meiner TV-Heldinnen freuen (jedenfalls, so lang noch Kapitalismus is). Ob Kolumne oder Blog, was macht das schon? Public-Relations sind doch auch irgendwie Bündnisarbeit, gute AnwältInnen werden immer gebraucht und die Galerie der Antifa stellt eben lieber Streetart aus…

Nun gut, Geld wird lieber für das Zugticket zum nächsten Demo Event, als für High-Heels verprasst, aber pleite sind wir danach doch alle…

Und wie so viele GenossInnen so oft bemerken, ist die ganze Antifa-Sache am Ende eben doch nur eine große Partnerbörse. Beziehungs- oder Nicht-Beziehungs-Kram und wie dieser anders benannt oder gelebt werden sollte, ist ein Bereich, über den sich Antifas wohl nächtelang den Mund fusselig reden können – fast wie die Heldinnen der TV-Serie. Auch Party-Geflirte, One-Night-Stands ohne Reue, häufige Partnerwechsel sowie ungewollte Schwangerschaften sind auf beiden Seiten zu finden. Schön eigentlich. Dort, wo er in der Szene nicht mit Sexismus verwechselt wird, ist Sex ohnehin beliebtes Thema, hat sicherlich aber auch schon ein paar Spaltungen herbeigeführt. Streit wegen Sex gibt’s aber auch in Manhatten, also keine Sorge…

Warum kommen die Mädels (und wenigen Jungs), die die Kinos stürmten und vielleicht jede Nacht süchtig – wie ich – ihre Lieblings-Folgen wieder und wieder schauen, denn nicht einfach zur Antifa? Da wird sich doch angeblich über Zuwachs gefreut und alles, was wir in der Serie als fern, luxuriös und erstrebenswert erkennen, existiert im AZ um die Ecke schon… Oder auch nicht…

the girl (who else?)

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One comment

  1. me likey! miss kir royal girl, ich liebe ihre kolumne! obwohl ich kritisch anmerken muss, dass es natürlich antifas gibt, denen es um mehr geht als um singlebörsen. manchen geht es sogar ums ganze (haha). trotzdem, ich hebe heute noch einen cosmopolitan auf die autorin! cheers!

    the colawar



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