Archive for the ‘media & subculture’ Category

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Live aus dem Niederbayrischen Unterholz…

Dezember 21, 2008

Wie vielleicht bekannt ist, haben Neonazis letzten Samstag ein Attentat auf den Passauer Polizeidirektor Alois Mannichl verübt. Auch für Menschen, die nicht in der örtlichen Antifa organisiert sind, waren die letzten Tage deswegen turbulent. Während die Stadt nach dem Mordversuch langsam zur Normalität zurückkehrt und die Angst sich langsam legt,  wird deutlich, dass man sich als Büger  sicher fühlen kann. Dafür sorgen Mitbürger, die praktische Lösungsansätze präsentieren: „Die Idee, dass Passau braun ist, ist falsch. Die meisten Leute hier sind anständig, fleißig und schaun auf ihr Geschäft. Man hat nur Rechtsradikale, wenn man das auch zulässt. Meiner Meinung nach müsste man alle Extremen, rechte wie linke, wegsperren“. Sagt ein rüstiger  71jähriger, der mit seiner fundierten Analyse jeden Politologen beschämt zurücklässt! Autoritäre Charaktäre, das zeigt der Kommentar sehr schön, haben hier keinen Platz! Eine genauere Analyse des Kommentars darf sich jeder selbst basteln.
Ein Quantum Trost spendet auch das „schreckliche Mädchen“ Anna Rosmus, die mittlerweile erwachsen und nur noch eine schrecklich medienaffine Frau ist. „(Passau ist) nicht mehr (braun) als bislang, und kaum mehr als viele andere Städte in Deutschland. Probleme dieser Art hatte Passau schon vor 25 Jahren – und es werden vermutlich nicht weniger“. Präziser hätte man es wohl nur noch mit „manche sagen so, andere so“ auf den Punkt bringen können. Hier mal etwas Hintergrundinfo für Interessierte: das Gros der Passauer ist wohl nicht viel anders unterwegs als der Rest der Bayern, der in dieser Studie analysiert wurde. Die organisierte Naziszene kriegt hier aber keinen Fuß auf den Boden, was neben den Bemühungen der Polizei auch zivilgesellschaftlichen Gruppen und natürlich der Antifa zu verdanken ist. Jedoch gab und gibt es rechte Gewalt in Passau, etwa auf der Beerdigung des Altnazis Friedhelm Busse, in deren Anschluss Neonazis aus ganz Deutschland in einer Spontandemo durch die Stadt marodierten und Gegendemonstranten sowie Passanten angriffen. Dies wurde leider auch von der heillos überforderten Polizei nicht verhindert. Vor 25 Jahren war hier einiges anders,  allein in den letzten 10 ist ein gewaltiger Mentalitätswandel eingetreten, was die Sensibilität der Menschen für die Rechtsextremismus-Problematik angeht. Aber zurück im Text. Dass nicht nur einfache Bürger sich im Ton vergreifen können, sondern auch die hochgeschätzte vierte Gewalt, bewies folgende Frage an den Passauer Oberbürgermeister Jürgen Dupper: „wie rechtsextrem ist die Szene in Passau?“. Glücklicherweise war die Antwort sinnvoller und besser formuliert als die Frage. Weitere Entwarnung gibt im selben Artikel die städtische Tourismuschefin. Sowohl für die Touristenstadt selbst, der der Medienrummel wohl nicht schade als auch für die Touristen: Ihr sei kein Fall bekannt, wonach ein Tourist in Passau einmal fremdenfeindlich angepöbelt worden sei, auch kein afroamerikanischer. Beruhigend! Das Schlusswort in dieser kleinen Führung durch die lokale Presse hat eine ältere Dame: „Dass Passau braun ist, das ist nich wahr. Es gibt schon Radikale aber das heißt noch lange nicht, dass alle so sind.“ Dem ist nichts mehr hinzuzufügen. Weitere Informationen zum aktuellen Stand der Ermittlungen erhält die geschätzte Leserschaft, indem sie das Wort „Mannichl“ bei google oder der Internetpräsenz der Zeitung ihres Vertrauens eingibt. Allein die Zusammenstellung der Artikel ist mir zu anstrengend, wofür ich um Verständnis bitte.
Noch eine Anmerkung: auf rechtsextremen Internetseiten wurde von der Durchführung einer Demonstration in Passau gesprochen. Der Autor dieser Zeilen tippt – in Anbetracht der Stimmungslage in der Bevölkerung – darauf, dass die Kameraden wohl von alten Dämchen mit Handtaschen und Vertretern von Schützen- und Bauernverbänden mit Mistgabel und Fackeln durch die Stadt gejagt werden. Man darf gespannt sein.

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De la democratie Israelien

Oktober 27, 2008

Das Lesen von Thorsten Schmitz Kommentaren ist mir ein wahres Ärgernis. Mit einer Regelmäßigkeit, die irgendwo zwischen Masochismus und der morbiden Faszination des Grauens angesiedelt ist, mache ich es trotzdem immer wieder. Zum Beispiel heute. Schon der erste Satz ist schlicht und simpel dämlich:

Immer wenn im Nahost-Friedensprozess Fortschritte gemacht werden, wird er durch vorgezogene Wahlen in Israel gestoppt.

Während Herr Schmitz uns hier in sehr einfachen Worten erklärt, wer die alleinige Schuld am Scheitern des Nahost-Friedensprozesses trägt und kein Wort über Raketen, Attentate, ausgeschlagene Angebote etc. verliert, ist dieser Satz, kaum zu glauben aber wahr, noch nicht der dümmste, der in dem Kommentar vorkommt. Es geht nämlich munter weiter:

Lieber klammert man sich in Israel an den Status quo aus Besatzung, militärischer Vergeltung und, etwa, einem kompromisslosen Nein zur Teilung Jerusalems, als dass man einen anderen Weg einschlüge.

Nun bestehen seit dem Abzug aus dem Gaza-Streifen, wegen der Konsequenzen wie z.B. der Machtübenahme der Hamas dort, tatsächlich Vorbehalte, was das Einschlagen „anderer Wege“ angeht. Schmitz sollte das als Nahost-Korrespondent wissen, hält es aber nicht für erwähnenswert (natürlich nicht). Richtig cool wird es allerdings erst im nächsten Absatz:

Das ging den rechten und religiösen Parteien zu weit, die leider als Königsmacher gebraucht werden und damit überproportionalen Einfluss auf Regierungsbildungen besitzen. Mit ihren Erpressungen lähmen sie Regierungen vom ersten Tag an oder treten erst gar nicht bei, so wie jetzt Schas. Mit ihrer maßlosen Forderung nach einer Erhöhung des Kindergeldes um 200 Millionen Euro, das religiösen kinderreichen Familien und damit auch dem Ruf der Partei zugute gekommen wäre, hat Schas erneut bewiesen, dass es ihr um die Erfüllung von Partikularinteressen geht und nicht um Frieden.

Knallharte Erkenntnisse, knapp zusammengefasst:

-Parteien die zum Regieren gebraucht werden, haben überproportionalen Einfluss.

-Parteien versuchen Forderungen durchzusetzen, die ihrem Ruf zugute kommen.

-Parteien vertreten Partikularinteressen.

Die nicht Zustande gekommene Regierungsbildung mag Herrn Schmitz verärgern. Das, was er allerings mit großem Tamtam präsentiert, ist business as usual in einer pluralistischen demokratischen Gesellschaft. Schon in den Federalist Papers heißt es „ambition must be made, to counteract ambition“. Das sollte der Korrespondent eigentlich wissen und bei seinen Artikeln berücksichtigen. Das „Partikularinteresse“ hat bei ihm allerdings einen eher negativen, ja, Rousseauschen Klang. Nämlich als Gegensatz zum wahren Allgemeinwohl, das nur in der Verwirklichung des Volonte General verwirklicht werden kann. Diese Tatsache verwundert ebensowenig wie die sehr selektive Wahrnehmung des Sz-Autors und soll hier nicht als Skandal präsentiert werden. Nur führt es, in Verbindung mit dem nächsten Satz:

Ihr Scheitern versetzt auch dem von US-Präsident Bush initiierten Friedensprozess von Annapolis einen Dolchstoß.

meinerseits zu dem Wunsch, die angeblich so kritische LeserInnenschaft der SZ würde Schmitz den von ihm produzierten Käse in Leserbriefform um die Ohren hauen. Aber darauf kann ich wohl so lange warten wie auf ein Vorankommen des von Dolchstößen gemarterten Friedensprozesses oder das Pony, das ich schon so lange haben will.
Hier noch ein Link zu Alexis De Tocquevilles Werk, bei dem ich mich unverschämterweise beim Gestalten des Titels bedient habe.

the colawar

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Aufgefallen…

Oktober 23, 2008

Laut der Außenansicht in der heutigen SZ könnte die islamische Republik Iran noch dieses Jahr im Besitz von genug waffenfähigem Uran sein, um einen Sprengkopf zu bestücken. Dies würde, so der Schreiber, zu Ahmadi-Nejads Plänen passen, noch innerhalb seiner Amtszeit den Iran zur Atommacht zu machen. Der Artikel, der für SZ-Verhältnisse erstaunlich gut ist (liegt wohl auch daran, dass es sich um eine Außenansicht handelt), war neben anhaltender Übelkeit ein Grund dafür, dass mein Tag so richtig scheiße begonnen hat. Aber das nur am Rande. Ein weiteres Ärgernis war der Blick in mein neu erworbenes Universal-Wörterbuch Persisch aus dem Langenscheidt-Verlag. Die anfängliche Vermutung, dass das Buch sich als Hilfe beim erlernen der persischen Sprache erweisen würde, erfüllte sich nur bedingt. Zwar finden sich in dem 18.000 Wörter umfassenden kleinen Büchlein wichtige Wörter wie „Märtyrertod“, „Ungläubige“ und „Opferfest“. Einige Vokabeln vermisse ich jedoch. Hätte ich mir bei „historischer Materialismus“ und „Warenfetisch“ noch irgendwie behelfen können, stört mich die Abwesenheit von Wörtern wie „Säkularisierung“, „Aufklärung“ und „Kommunismus“ schon etwas. Hier sehe ich natürlich keine üble Verschwörung oder politischen Einfluss am Werk sondern viel eher die normative Kraft des Faktischen. Für diejenigen, die derzeit ein persisches Wörterbuch brauchen, scheint es andere Prioritäten zu geben. Sad, this.

the colawar

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Endlich! Das Kapital wird verfilmt!

Oktober 15, 2008

Die Finanzkrise macht auch vor Hollywood keinen Halt. Doch anstatt sich von wirtschaftlichen Problemen ins Bockshorn jagen zu lassen, gehen die Produzenten auf sehr kreative Weise mit der Krise um. Da im Gefolge zusammenbrechender Märkte die Menschen beginnen, der Marktwirtschaft zu misstrauen, wittern die Produzenten und Studiobosse die Möglichkeit für einen Blockbuster: die Verfilmung von Karl Marx „Kapital“. Der als Triologie angelegte Film soll hochkarätig besetzt werden. Angefragt ist Miley Cyrus als ursprüngliche Akkumulation sowie Bruce Willis als Mehrwert. in dem mir vorliegenden Trailer sind schon einige Granden zu sehen. Klar ist etwa die Besetzung für den Warenfetisch (teuflisch: Kevin Spacey) und die Profitrate (Hervorragend in Szene gesetzt von Helen Mirren). Letztere spielt den eigenen Verfall auf herzergreifende Art und Weise. Um die linken Zuschauer nicht zu verschrecken, plant das ausführende Studio die Einrichtung von „kreativen Kolchosen“ (im Original „creativ collective“). In diesen an das Prinzip Web 2.0 (das nicht der Kommunismus ist) angelehnten Foren können Fans Vorschläge für die Besetzung posten. Um das Vohaben zu unterstützen habe auch ich mich bereiterklärt, Vorschläge weiterzuverbreiten, also, Seid so gut und postet Eure Traumbesetzung ins Kommentarfeld!

the colawar.

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Die ganze Zeitung ein Depp…

Oktober 13, 2008

Heute geht, wie manche vielleicht wissen, die Uni wieder los. Nicht nur, dass meine Youtube-Orgien damit erstmal ein Ende gefunden haben, auch früheres Aufstehen ist wieder angesagt. Also Kaffee ins Getriebe und Zeitung aufgeschlagen. In meinem Fall die Süddeutsche Zeitung, über die ich mich nun kurz auslasse.
Zur vertiefenden Lektüre bezüglich dieses Zeitung gewordenen Ärgernisses empfehle ich den Artikel „Ist Zeitunglesen sexy?“ von Justus Wertmüller aus der Bahamas Nr. 52. Zurück zur heutigen SZ: zwei Artikel von Thorsten Schmitz, einem der Israelkritker des Blattes (neben Thomas Avenarius) fanden mein Interesse und lösten postwendend Unbehagen aus. Im „Hamas und Fatah wollen Streit beilegen“ schreibt Schmitz:

„Die 1987 gegründete Hamas, die in ihrem Statut die Zerstörung Israels fordert, hatte im vergangenen Jahr nach dem Scheitern der Koalitionsregierung die Macht im Gaza-Streifen an sich gerissen und sämtliche Sicherheitskräfte, die der Fatah angehörten, vertrieben, inhaftiert und zum Teil auch gefoltert.“

Während wir bezüglich des Gründungsjahres der Hamas mal nicht pingelig sein wollen, gibt es einen anderen Satzteil der verwundert. Vertreibung, Inhaftierung, Folter – das klingt für sich allein schlimm genug, jedoch hat Schmitz vergessen, zu erwähnen, was im Gazastreifen sonst noch so los war. Das der „Bruderkrieg“ auch Tote forderte, wie die SZ selbst berichtete, wäre ein nützliches Detail gewesen, dürfte diese Stufe der Auseinandersetzungen doch eine Einigung leicht erschweren.

Der zweite Artikel setzt sich mit den Auschreitungen in der israelischen Hafenstadt Acre auseinander, nicht ohne scheinbar beiläufig folgendes einzustreuen:
„Sowohl arabische Bewohner Akkos als auch die jüdischen sprachen am Sonntag von Pogromen.“

Der Grund, warum sich Schmitz für diesen Satz entschieden hat dürften weniger die (bestimmt unschönen) Zustände in Acre sein, als vielmehr der Antrieb, seiner linksdeutschen Leserschaft zu bestätigen, was diese über Israel schon immer wussten. Dass Juden nämlich auch Pogrome machen. Der Zusammenhang zwischen Israelkritik und Vergangenheitsbewältigung ist bereits an diversen anderen Stellen ausreichend erörtert worden, ich möchte hier darum bitten, sich die betreffenden Texte selbst zu suchen. Problematisch bei Schmitz und Avenarius ist nun, dass diese beiden in ihren Artikeln an vielen Stellen mit einer ekligen Form der Suggestion arbeiten. Wer die „kritische Leserschaft“ der SZ aus der Uni oder sonstwoher kennt, weiß, dass das, was die beiden vorsetzen, unreflektiert aufgenommen wird und seinen Zweck erfüllt.

Richtig übel an der SZ ist nun, das Artikel wie die beiden, die hier genannt wurden, nicht die Ausnahme, sondern die Regel in der Nahost-Berichterstattung des Blattes sind. Wenn Avenarius und Schmitz drunter steht, bürgt das für gehobene Israelkritik und garantiert, dass vom Hamas-Anschlag bis zum „Bruderkrieg“ Israel immer irgendwie mitschuld ist. Das geht mir auf den Geist und ist neben dem ekligen Sound, den das ganze Blatt hat, ein veritabler Grund, mich nach Ersatz umzusehen. Hat jemand einen Tip, welche Alternativen es tageszeitungstechnisch gibt? Ernstgemeinte Zuschriften bitte in die Kommentarbox. Merci beacoup.

the colawar

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Was für ein Deutscher Fernsehabend…

Oktober 6, 2008

Das KIR-royal-girl hat keinen Fernseher. Es hatte mal einen. Bei irgendeinem der vielen WG-Umzüge ist der wohl bei einem früheren Mitbewohner verblieben. Eigentlich auch egal. Denn es gibt ja Web 2.0, womit eh alles viel schöner ist. Das Web 2.0 ist aber noch nicht der Kommunismus. Der Genosse Colawar hat dem KIR-royal-girl auch erklärt, warum: Wir können noch keine Klamotten runterladen! Das muss sich ändern! Dafür kämpfen wir!

Aber zurück zum Thema: Das Web 2.0 wurde nur erwähnt, weil es dafür sorgt, dass das KIR-royal-girl diesen besonders deutschen heutigen Fernsehabend nicht ganz verpassen muss. Zufällig hat es erfahren, dass heute auf gleich drei Sendern zur Prime-Time tolle Filme laufen, die kritisch antifaschistisch denkende Menschen möglicherweise zum gruseln finden könnten: „Mein Herz in Chile“ beim ZDF, „Damals in Ostpreußen“ im Ersten und als Höhgepunkt „Wir sind das Volk! auf Sat1.

Nun gut, „Mein Herz in Chile“ riecht nur ein bisschen nach Platz an der Sonne, Kolonialromantik und Zufluchtsort für Altnazis. Hier gibt’s den ersten Teil zum angucken, dank Web 2.0, was das KIR-royal-girl auch noch tun wird. Ob es mit seinem Geruchssinn richtig lag, wird sich zeigen und darf gern auch in Kommentaren geäussert werden…


Schon verdächtiger ist da die ARD-Doku „Damals in Ostpreußen“. Riecht nach sogenannter Vertreibung und Deutschen, die gern Opfer wären. Ob’s das auch schon zum angucken im Web gibt, ist dem KIR-royal-girl nicht bekannt. Ist ihm aber auch egal, denn Mama nimmt’s auf DVD auf. Dann kann sich bald die ganze Familie ansehen, wo Opa herkam…

Und nun zum Kracher des Deutschen Fernsehabends: „Wir sind das Volk!“. Ein Film, der so heißt, kann nur gruselig sein! Die Sat1 Homepage verspricht Deutsche Standartbesetzung und den grandiosen Untertitel „Liebe kennt keine Grenzen“. In Kombination kann nur die Liebe zum eigenen Volk gemeint sein. Mal sehen, ob im Film auch Menschen vorkommen, die der/die gemeine Deutsche anderen sogenannten Völkern zurechnen würde… Das KIR-royal-girl wird recherchieren:
Über Gutscheincode gibt’s wohl hier den Film!

So, los geht’s! (im richtigen Fernsehen auch…)

the KIR-royal-girl 🙂

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Sex and the Antifa

Oktober 2, 2008

Es geht um Freundschaft, darum, zusammen zu halten und füreinander da zu sein, eigentlich um Solidarität. Schließlich sind sie aufeinander angewiesen, im Überleben auf der Straße, in der Großstadt. Unter den gegebenen Verhältnissen leiden schließlich alle, die dabei sind. Etwas muss sich ändern und das geht nur gemeinsam.

Da muss also eine gemeinsame Basis gefunden werden. Der Style, das Outfit, muss abgestimmt werden. Schließlich wollen sie eine gute Figur machen, wenn sie gemeinsam unterwegs sind, um zu sehen und gesehen zu werden, um das Stadtbild zu bestimmen und den Geist der Zeit zu beeinflussen.

Es wird sich in den angesagten Läden der Szene getroffen und wichtige Themen müssen im Plenum behandelt werden. Irgendjemand kann immer von neuen persönlichen Schwierigkeiten aus der kalten und verwalteten Welt und den sozialen Verhältnissen berichten, die dann ausgiebig mit Anhörung verschiedener Meinungen diskutiert werden. Das ist schließlich Basisdemokratie. Und auch sonst gibt es immer was zu bequatschen, in der Crew: Was ist gerade IN und was OUT? Wo können wir hingehen und wo nicht? Wo steigt DIE Party? Was gibt es Neues? Und vor allem: Wer hat gerade was mit wem laufen???

Um bei einer meiner Heldinnen zu klauen: „When it comes to…“ oben Beschriebenem „…I can’t help but wonder:“ Ist die Antifa nur Sex-and-the-City in etwas anderer Verpackung???

Nun gut, es erscheint als langfristiges Ziel vermeintlich weniger das Finden oder Nicht-Finden des Mannes für’s Leben als vielmehr irgendeine Art Revolution. Von diesen fernen Zielen aber einmal abgesehen, unterscheidet sich das Alltagsleben in der Antifa-Szene doch nur marginal von dem der vier Freundinnen in Manhatten. Zwar scheint es äusserst anmaßend oder betrübend, verrauchte Kneipen und vermüllte AZs mit IN-Clubs in New York und die Antifa-WG mit einem Luxus-Apartement in der Park-Avenue zu vergleichen, aber das ist wohl nur besagte Verpackung, die gerne aufgewertet werden darf.

Bei den Gesprächsthemen sind, wie bereits angedeutet, die Ähnlichkeiten gravierender. Style und was mit ihm ausgedrückt wird, ist keinesfalls zu verachten. Zum nächsten Event lieber das Kleine Schwarze, oder doch lässig in Zivil? Welche Marken und Symbole sind noch angesagt, schon von den Nazis (zurück)geklaut oder einfach nicht tragbar? Lieber oldschool oder popig?

Auch die persönliche Befindlichkeit, die das nicht existente richtige Leben im Falschen auslöst, darf Thema sein. Schließlich sind alle irgendwie eine Familie: Sweet Home Antifa eben… Und die Liebe der Freundinnen zu ihrem New York lässt doch manchmal an den Regionalpatriotismus so mancher Antifa-Gruppe denken.

In etwas anderer Form würden sich natürlich die Antifas auch über die Jobs meiner TV-Heldinnen freuen (jedenfalls, so lang noch Kapitalismus is). Ob Kolumne oder Blog, was macht das schon? Public-Relations sind doch auch irgendwie Bündnisarbeit, gute AnwältInnen werden immer gebraucht und die Galerie der Antifa stellt eben lieber Streetart aus…

Nun gut, Geld wird lieber für das Zugticket zum nächsten Demo Event, als für High-Heels verprasst, aber pleite sind wir danach doch alle…

Und wie so viele GenossInnen so oft bemerken, ist die ganze Antifa-Sache am Ende eben doch nur eine große Partnerbörse. Beziehungs- oder Nicht-Beziehungs-Kram und wie dieser anders benannt oder gelebt werden sollte, ist ein Bereich, über den sich Antifas wohl nächtelang den Mund fusselig reden können – fast wie die Heldinnen der TV-Serie. Auch Party-Geflirte, One-Night-Stands ohne Reue, häufige Partnerwechsel sowie ungewollte Schwangerschaften sind auf beiden Seiten zu finden. Schön eigentlich. Dort, wo er in der Szene nicht mit Sexismus verwechselt wird, ist Sex ohnehin beliebtes Thema, hat sicherlich aber auch schon ein paar Spaltungen herbeigeführt. Streit wegen Sex gibt’s aber auch in Manhatten, also keine Sorge…

Warum kommen die Mädels (und wenigen Jungs), die die Kinos stürmten und vielleicht jede Nacht süchtig – wie ich – ihre Lieblings-Folgen wieder und wieder schauen, denn nicht einfach zur Antifa? Da wird sich doch angeblich über Zuwachs gefreut und alles, was wir in der Serie als fern, luxuriös und erstrebenswert erkennen, existiert im AZ um die Ecke schon… Oder auch nicht…

the girl (who else?)