Posts Tagged ‘antifa’

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Der ewige Sumpf…

Juni 29, 2009

Da wurde uns doch gestern der Link zu einem Text aus dem Ruhrgebiet zugespielt. „Magdeburger Zustände“ schießt es da wie üblich durch den Kopf. Und Listen wie aus dem Sumpf um die Ruhr ließen sich wohl in jeder Gegend mit etwas größerer Linker Szene abfassen. Mögen sich auch die Formen der Auseinandersetzung lokal unterscheiden.

Nur im beschaulichen Freiburg scheint die Antifa-Szene konfliktfrei zu funktionieren, glaubt man den Abschiedstexten auf den Seiten der längst begrabenen Gruppen. Als Anfang 2007 die Antifa Freiburg „den Weg alles Irdischen“ ging (über Fragen der Grammatik darf wohl nicht diskutiert werden), wie es im letzten Communiqué (so der vor Ort übliche Name für übliche Texte) dieser Gruppe hieß, wurde als Grund angegeben, das enorme Anwachsen der antifaschistischen Bewegung in Freiburg habe zu diesem Schritt veranlasst. Rückblickend machte sich die Gruppe ausserdem für drei Jahre erfolgreiche Antifapolitik verantwortlich. Als Beweis wird zu einem Nachruf auf Indymedia verlinkt. Es wurde versprochen, mit doppelter Stärke in zwei neuen Gruppen weiterzuarbeiten. Friede, Freude und Bewegung.
Ergebnisse des besagten Schrittes waren die wohl unvermeidliche Autonome Antifa Freiburg und die Antifaschistische Aktion Freiburg. Witze über die beiden Gruppen mit der selben Abkürzung wurden irgendwann langweilig.
Doch die Antifaschistische Aktion Freiburg bestand ohnehin nicht lange. Ein Notizzettel auf der Gruppenseite informiert über die Auflösung der Gruppe. „Die Erfahrungen aus langjähriger politischer Arbeit haben uns gezeigt, dass es an gewissen Punkten der Sache förderlicher ist, das gemeinsame Projekt zu beenden. Nach zwei Jahren effektiver Antifa-Politik sehen wir nun die Effizienz der Gruppe gefährdet und lösen sie deshalb auf.“ Klingt da ein Hauch von Konflikt an? Falls ja, verschweigt die Veröffentlichung jegliche Hintergründe. Unter „Anmerkung“ findet sich noch: „Es gibt keine direkten Nachfolgeorganisationen der Antifaschistischen Aktion Freiburg! Selbstverständlich werden ihre ehmaligen Mitglieder nach wie vor Politik machen.“ Ob das als Drohung zu verstehen ist, wird sich zeigen. Neue Gruppen erscheinen bereits am Horizont. Dieses Mal unter dem Namen Antifaschistische Linke Freiburg. Bei einer erwiesenen Halbwertszeit von zwei Jahren für Freiburger Antifagruppen dürfen wir uns wohl schon auf eine wie üblich nichtssagende Auflösungserklärung im Jahr 2011 freuen.

Doch ist die Freiburger Szene nun von Harmonie geprägt? Warum lösen sich die Antifa-Gruppen regelmäßig auf? Wird das Veto zur Alternative gegenüber den aus dem Ruhrgebiet beschriebenen Übergriffen? Wird die Autonome Antifa Freiburg, die gerne mit der Antifa Jugend Bochum kooperiert sich von der Roten Antifa Duisburg distanzieren, wie es die Interventionen fordern? Und warum beschäftigt sich der KIR-royal-blog überhaupt mit diesen Nichtigkeiten?

Fragen über Fragen. Blöde Antworten und mehr bald hier…

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Wer viel liest darf auch…

November 3, 2008

… Action mögen!
Deswegen freut sich KIR-royal auf München:


Kritische Bemerkungen zum Aufruf werden eventuell folgen, wenn das dem Kompetenz-Team von KIR-royal nicht zu doof ist…

So see you there!

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Sex and the Antifa

Oktober 2, 2008

Es geht um Freundschaft, darum, zusammen zu halten und füreinander da zu sein, eigentlich um Solidarität. Schließlich sind sie aufeinander angewiesen, im Überleben auf der Straße, in der Großstadt. Unter den gegebenen Verhältnissen leiden schließlich alle, die dabei sind. Etwas muss sich ändern und das geht nur gemeinsam.

Da muss also eine gemeinsame Basis gefunden werden. Der Style, das Outfit, muss abgestimmt werden. Schließlich wollen sie eine gute Figur machen, wenn sie gemeinsam unterwegs sind, um zu sehen und gesehen zu werden, um das Stadtbild zu bestimmen und den Geist der Zeit zu beeinflussen.

Es wird sich in den angesagten Läden der Szene getroffen und wichtige Themen müssen im Plenum behandelt werden. Irgendjemand kann immer von neuen persönlichen Schwierigkeiten aus der kalten und verwalteten Welt und den sozialen Verhältnissen berichten, die dann ausgiebig mit Anhörung verschiedener Meinungen diskutiert werden. Das ist schließlich Basisdemokratie. Und auch sonst gibt es immer was zu bequatschen, in der Crew: Was ist gerade IN und was OUT? Wo können wir hingehen und wo nicht? Wo steigt DIE Party? Was gibt es Neues? Und vor allem: Wer hat gerade was mit wem laufen???

Um bei einer meiner Heldinnen zu klauen: „When it comes to…“ oben Beschriebenem „…I can’t help but wonder:“ Ist die Antifa nur Sex-and-the-City in etwas anderer Verpackung???

Nun gut, es erscheint als langfristiges Ziel vermeintlich weniger das Finden oder Nicht-Finden des Mannes für’s Leben als vielmehr irgendeine Art Revolution. Von diesen fernen Zielen aber einmal abgesehen, unterscheidet sich das Alltagsleben in der Antifa-Szene doch nur marginal von dem der vier Freundinnen in Manhatten. Zwar scheint es äusserst anmaßend oder betrübend, verrauchte Kneipen und vermüllte AZs mit IN-Clubs in New York und die Antifa-WG mit einem Luxus-Apartement in der Park-Avenue zu vergleichen, aber das ist wohl nur besagte Verpackung, die gerne aufgewertet werden darf.

Bei den Gesprächsthemen sind, wie bereits angedeutet, die Ähnlichkeiten gravierender. Style und was mit ihm ausgedrückt wird, ist keinesfalls zu verachten. Zum nächsten Event lieber das Kleine Schwarze, oder doch lässig in Zivil? Welche Marken und Symbole sind noch angesagt, schon von den Nazis (zurück)geklaut oder einfach nicht tragbar? Lieber oldschool oder popig?

Auch die persönliche Befindlichkeit, die das nicht existente richtige Leben im Falschen auslöst, darf Thema sein. Schließlich sind alle irgendwie eine Familie: Sweet Home Antifa eben… Und die Liebe der Freundinnen zu ihrem New York lässt doch manchmal an den Regionalpatriotismus so mancher Antifa-Gruppe denken.

In etwas anderer Form würden sich natürlich die Antifas auch über die Jobs meiner TV-Heldinnen freuen (jedenfalls, so lang noch Kapitalismus is). Ob Kolumne oder Blog, was macht das schon? Public-Relations sind doch auch irgendwie Bündnisarbeit, gute AnwältInnen werden immer gebraucht und die Galerie der Antifa stellt eben lieber Streetart aus…

Nun gut, Geld wird lieber für das Zugticket zum nächsten Demo Event, als für High-Heels verprasst, aber pleite sind wir danach doch alle…

Und wie so viele GenossInnen so oft bemerken, ist die ganze Antifa-Sache am Ende eben doch nur eine große Partnerbörse. Beziehungs- oder Nicht-Beziehungs-Kram und wie dieser anders benannt oder gelebt werden sollte, ist ein Bereich, über den sich Antifas wohl nächtelang den Mund fusselig reden können – fast wie die Heldinnen der TV-Serie. Auch Party-Geflirte, One-Night-Stands ohne Reue, häufige Partnerwechsel sowie ungewollte Schwangerschaften sind auf beiden Seiten zu finden. Schön eigentlich. Dort, wo er in der Szene nicht mit Sexismus verwechselt wird, ist Sex ohnehin beliebtes Thema, hat sicherlich aber auch schon ein paar Spaltungen herbeigeführt. Streit wegen Sex gibt’s aber auch in Manhatten, also keine Sorge…

Warum kommen die Mädels (und wenigen Jungs), die die Kinos stürmten und vielleicht jede Nacht süchtig – wie ich – ihre Lieblings-Folgen wieder und wieder schauen, denn nicht einfach zur Antifa? Da wird sich doch angeblich über Zuwachs gefreut und alles, was wir in der Serie als fern, luxuriös und erstrebenswert erkennen, existiert im AZ um die Ecke schon… Oder auch nicht…

the girl (who else?)