Posts Tagged ‘Linke’

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Radio zum Iran II

Juli 2, 2009

Es ist erfreulich, dass die Proteste im Iran auf Radio Dreyeckland Thema bleiben, obwohl viele andere Medien sich quasi schon ausgeschaltet haben. Heute in der Sendung Punkt 12 war erneut ein Interview mit einem Freiburger Exil-Iraner zu hören, der die aktuelle Situation analysiert, ein paar Rückblicke zu bekannteren Persönlichkeiten der Iranischen Politik der letzten Jahre gibt und sich ausserdem angenehm kritisch zur Städtepartnerschaft zwischen Freiburg und Isfahan äussert.
Angehört werden kann das Ganze hier.

Nicht so erfreulich ist hingegen, dass die Solidarisierung mit den Protestierenden im Iran vor Ort bereits für die gewohnten Feindseligkeiten ausgenutzt wird. Gerüchteweise beschwert mensch sich in traditionell antiimprialistischen Kreisen bereits, dass das als „antideutsch“ verschrieene Ex-Antifareferat im letzten Jahr noch die Bombardierung des Iran gefordert hätte (wo und wann auch immer das passiert sein soll – es wurde wohl erneut Stop The Bomb mit „drop the bomb“ verwechselt) und sich nun der Protestbewegung anbiedere. Von der „Gegenseite“ wird gejammert, weil die „Antiimps“ sich plötzlich mit den eigenen Lieblingsthemen befassen, einen aber trotzdem nicht ernst nehmen – oder es vermeintlich selber garnicht ernst meinen.
Dabei ist es doch zunächst begrüßenswert, dass die radikale Linke – zumindest in Teilen – nun endlich auf den ihr von allen Seiten schmackhaft gemachten Boykott-Zug aufspringt. War das nicht, was Stop the Bomb unter Anderem erreichen wollte? Ob sich Linke mit Restvernunft nun eingestehen, wer den Plan zuerst hatte, oder nicht, tut vorerst nichts zur Sache.

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Der ewige Sumpf…

Juni 29, 2009

Da wurde uns doch gestern der Link zu einem Text aus dem Ruhrgebiet zugespielt. „Magdeburger Zustände“ schießt es da wie üblich durch den Kopf. Und Listen wie aus dem Sumpf um die Ruhr ließen sich wohl in jeder Gegend mit etwas größerer Linker Szene abfassen. Mögen sich auch die Formen der Auseinandersetzung lokal unterscheiden.

Nur im beschaulichen Freiburg scheint die Antifa-Szene konfliktfrei zu funktionieren, glaubt man den Abschiedstexten auf den Seiten der längst begrabenen Gruppen. Als Anfang 2007 die Antifa Freiburg „den Weg alles Irdischen“ ging (über Fragen der Grammatik darf wohl nicht diskutiert werden), wie es im letzten Communiqué (so der vor Ort übliche Name für übliche Texte) dieser Gruppe hieß, wurde als Grund angegeben, das enorme Anwachsen der antifaschistischen Bewegung in Freiburg habe zu diesem Schritt veranlasst. Rückblickend machte sich die Gruppe ausserdem für drei Jahre erfolgreiche Antifapolitik verantwortlich. Als Beweis wird zu einem Nachruf auf Indymedia verlinkt. Es wurde versprochen, mit doppelter Stärke in zwei neuen Gruppen weiterzuarbeiten. Friede, Freude und Bewegung.
Ergebnisse des besagten Schrittes waren die wohl unvermeidliche Autonome Antifa Freiburg und die Antifaschistische Aktion Freiburg. Witze über die beiden Gruppen mit der selben Abkürzung wurden irgendwann langweilig.
Doch die Antifaschistische Aktion Freiburg bestand ohnehin nicht lange. Ein Notizzettel auf der Gruppenseite informiert über die Auflösung der Gruppe. „Die Erfahrungen aus langjähriger politischer Arbeit haben uns gezeigt, dass es an gewissen Punkten der Sache förderlicher ist, das gemeinsame Projekt zu beenden. Nach zwei Jahren effektiver Antifa-Politik sehen wir nun die Effizienz der Gruppe gefährdet und lösen sie deshalb auf.“ Klingt da ein Hauch von Konflikt an? Falls ja, verschweigt die Veröffentlichung jegliche Hintergründe. Unter „Anmerkung“ findet sich noch: „Es gibt keine direkten Nachfolgeorganisationen der Antifaschistischen Aktion Freiburg! Selbstverständlich werden ihre ehmaligen Mitglieder nach wie vor Politik machen.“ Ob das als Drohung zu verstehen ist, wird sich zeigen. Neue Gruppen erscheinen bereits am Horizont. Dieses Mal unter dem Namen Antifaschistische Linke Freiburg. Bei einer erwiesenen Halbwertszeit von zwei Jahren für Freiburger Antifagruppen dürfen wir uns wohl schon auf eine wie üblich nichtssagende Auflösungserklärung im Jahr 2011 freuen.

Doch ist die Freiburger Szene nun von Harmonie geprägt? Warum lösen sich die Antifa-Gruppen regelmäßig auf? Wird das Veto zur Alternative gegenüber den aus dem Ruhrgebiet beschriebenen Übergriffen? Wird die Autonome Antifa Freiburg, die gerne mit der Antifa Jugend Bochum kooperiert sich von der Roten Antifa Duisburg distanzieren, wie es die Interventionen fordern? Und warum beschäftigt sich der KIR-royal-blog überhaupt mit diesen Nichtigkeiten?

Fragen über Fragen. Blöde Antworten und mehr bald hier…