Posts Tagged ‘Nahostkonflikt’

h1

Die Zeitung immernoch ein Depp…

Juli 13, 2009

Davon, dass Kornelius seinen Artikel mit einem Witz beginnt, in dem ein „sehr religiöser“ Jude sich nichts sehnlicher wünscht, als einen großen Geldgewinn, mag man halten, was man will. Dass er diesen Witz von der „jüdischen Oberschicht“ haben will, die sehr leidet, unter dem „Druck, ihre politische Treue gegenüber Israel beweisen zu müssen“ (wem sie die beweisen muss, wird offen gelassen – vielleicht der Süddeutschen Zeitung) macht Sorgen.

Da vermeidet doch das KIR-royal Team extra die Lektüre der SZ, um den übermäßigen Anstieg von Blutdruck und Sarkasmus nicht zu provozieren und diesen Blog nicht ausschließlich mit Artikeln im Stil von „Die ganze Zeitung ein Depp“ zu füllen. Doch von Zeit zu Zeit ist es kaum möglich, diesem Schundblatt aus dem Weg zu gehen und da besagter Artikel des unsäglichen Stefan Kornelius am gestrigen Abend bereits in einer KIR-royal-Telefonkonferenz einen unverdienten Platz fand, ist nun doch wieder einmal ein wenig Kritik notwendig. Auch wenn unsere verehrten Leserinnen und Leser das viel strapazierte Wörtchen Kritik möglicherweise schon längst nicht mehr hören können.
Dann doch lieber „Toleranz statt Konfrontation“, wie Kornelius den neuen Kurs der USA im Nahen Osten jubelnd zusammenfasst…

Doch bevor hier noch jemand zu tolerant werden sollte, noch einmal zurück zum Glücksspiel des Juden: Er erwartet einen Gewinn, ohne überhaupt ein Los zu kaufen. Keinerlei eigener Einsatz – typisch. Laut Kornelius erinnert jener Witz den Journalisten Samuel Goldberg „an das Verhalten von Israelis und Palästinensern“: Keine Seite sei „zu einem Zugeständnis bereit, keine will ein Opfer bringen.“ Dabei scheint Kornelius weder an die Räumung der Siedlungen im Gazastreifen noch die massenhafte Opferbereitschaft palästinensischer Selbstmordattentäter zu denken. Stattdessen schweift er lyrisch zu einem Landstrich „voller unerfüllter Versprechungen und zerstörter Hoffnungen“ sowie einem „teuflischen Dreiecksverhältnis aus religiösen, ethnischen und staatlichen Identitäten“ ab.
Schließlich muss man sich doch Sorgen um Kornelius Privatleben machen, wenn er einen Konflikt, in dem der Eine dem Anderen das Existenzrecht abspricht als „Beziehungsdrama“ tituliert. Und dieser Streit sei so „ symbolgeladen, so grundsätzlich und so infektiös für andere, dass keine Macht der Welt ihm entkommen kann“.
Für „infektiös“ hielt diesen „Streit“ im Übrigen auch der allseits beliebte iranische „Reformer“ Khatami, der Israel einst als „alte, nicht heilbare Wunde im Körper des Islam, (…) eine Wunde, die wirklich dämonisches, stinkendes und ansteckendes Blut besitzt“ bezeichnete.

Desweiteren singt Kornelius Loblieder auf Obamas Rede in Kairo, die „noch in Jahren als Meisterwerk angesehen werden“ wird. Wie Obamas Äusserungen der jüngeren Vergangenheit auch beurteilt werden können, ist unter Anderem auf dem Iran Baham Blog nachzulesen.
Jedenfalls sollen die USA nun „demutsvoll und selbstkritisch“, „klein“ und „vorbildlich“ mit viel „Konsens, Respekt und Toleranz“ die bösen Bush-Jahre hinter sich lassen. Da scheint Deutschland – vertreten durch Stefan Kornelius – das Amerika nach der Zeit, auf die es alles Böse projiziert, so zu sehen, wie es sich selbst seit 1945 gern betrachtet wissen möchte. Amerika ist nun auch endlich geläutert. Und schon glaubt Kornelius, die „Dschihadisten“ fänden im Feindbild USA keine „ausreichende Rechtfertigung für den Terror“ mehr. Kein Wunder: „Nie hat ein amerikanischer Präsident die arabischen Massen gefühlvoller angesprochen.“
Und da Amerika scheinbar doch die geheime Weltherrschaft innehat, ist Obama schließlich auch noch für die Aufstände im Iran verantwortlich: Er streckte einfach „die Hand aus und überwältigte das persische Volk mit Freundschaftsgesten.“
Obama wird die Mullahs „umarmen und zu erdrücken versuchen“ und Stefan Kornelius hofft darauf, dass dieser Plan aufgeht. Dann braucht man auch nicht mehr zusammenzuarbeiten, mit Israel, dem „widerborstigen Verbündeten im Nahen Osten“.

In seinem Kampf für die Demokratie mit den Mitteln „Konsens, Respekt und Toleranz“ in Kairo sagte Obama zwischen Preisungen von Rechtstaat und Meinungsfreiheit auch folgenden Satz: „Regierungen, die diese Rechte schützen, sind am Ende stabiler, erfolgreicher und sicherer.“ Kornelius bezieht diese Worte auf das Regime im Iran und was für ihn Hoffnung ist, drückt in Wirklichkeit die zu befürchtende weitere Entwicklung aus: Die Mullahs könnten mit dem neuen Dialog-Kurs der Obama-Regierung und selbstverständlich viel Deutscher Unterstützung durch einen oberflächlichen Reformkurs ihre Herrschaft umso fester zementieren. So stellt sich womöglich Stefan Kornelius den Nahen Osten vor den er „Schritt für Schritt“ erreichen will.