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Damals auf der roten Couch…

Oktober 7, 2008

Als ich noch links war, war ich oft unzufrieden, mit mir und der Welt. Ich beschloss deswegen, mich in die Obhut eines namhaften Psychoanalytikers zu begeben.

Ich sollte mich dann also in der Praxis jenes Psychoanalytikers auf eine rote Couch legen. An den Wänden des Raumes reihten sich Bücherregale und über der Couch, in meinem Blickfeld, hingen Fotos von Che Guevara und Anderen, die ähnlich aussahen. Ich fühlte mich in guten Händen. Der Psychoanalytiker selber, sah ein bisschen aus, wie Sigmund Freud, fand ich. Aber das würde ich wohl über fast jeden Psychoanalytiker sagen.

Seine Therapie bestand darin, sich unter verständnisvollem Nicken und Lauten der Zustimmung anzuhören, was ich aus meiner Kindheit und meinem Leben zu erzählen hatte. Vor allem das Mobbing in der Schule und die Konflikte mit meinen Eltern schienen ihn zu interessieren.

Ausserdem erläuterte ich ihm, dass ich das Gefühl hätte, dass mit der Welt etwas falsch laufe, dass ich dies gerne ändern würde und bereit sei, dafür auch Opfer zu bringen. Ich erzählte von den armen Kindern in Palästina, der Gewalt an der Wallstreet und meinem Helden über der roten Couch – Che Guevara. Ich vertraute dem Psychoanalytiker an, dass ich Gewalt für legitim hielte, solange sie der richtigen Sache diente und, dass ich mich bereits mit verschiedenen Waffengattungen und Handbüchern für den Guerilla-Kampf auseinandergesetzt hätte.

Der Psychoanalytiker seufzte, ich schwieg.

Nachdem er eine Zeit lang auf seinem Bleistift gekaut, abwechselnd mich, die Zimmerdecke und Che Guevara an der Wand über der roten Couch angestarrt und seltsame Notizen auf seinem Klemmbrett gemacht hatte, blickte mich der Psychoanalytiker über die oberen Ränder seiner Brille hinweg an und verkündete mir seine weise Diagnose:

„Sie haben da einen Baader-Meinhof-Komplex…“

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